Von (künstlich) generierten Instagram-Followern, von meinem Test und von meiner Erschütterung beim Betrachten der Ergebnisse …

 Wie viele Follower hast Du bei Instagram? Eine Frage, die doch die meisten von uns zumindest ein wenig beschäftigt. Als (Street-)Fotograf habe ich natürlich das Bedürfnis, meine Bilder möglichst vielen Menschen zu zeigen. In einem früheren Beitrag habe ich bereits einmal darauf hingewiesen, dass ich Likes gegenüber recht skeptisch bin (https://strassengeier.de/?p=202). Trotzdem schmeichelt es mir natürlich, wenn ich bei Instagram einen neuen Follower bekomme, denke ich doch in erster Linie, dass demjenigen meine Bilder gefallen. Zu oft waren die Follower aber nach wenigen Stunden schon wieder verschwunden, was die Vermutung nahe legt, dass das Follow/Unfollow-Game tatsächlich besteht. Das wollte ich genauer wissen, und so habe ich gestern einen Test gemacht, der, soviel sei vorab verraten, auf mehreren Ebenen erfolgreich war …

Dies ist dann auch mein erster Beitrag, den ich nicht bebildere … hab’ irgendwie nichts, was mir passend erscheint.

Bei meiner Recherche im Internet erfuhr ich von einer Möglichkeit, mehrere hundert Follower an einem Tag zu generieren, ohne eine App oder ein illegales Script zu benutzen. Nur durch den Einsatz von ein paar Minuten sollte es möglich sein, sehr schnell die Zahl meiner Follower zu vervielfachen.

Dieser Anleitung zum Selbstbeschiss bin ich gefolgt. Was habe ich also getan? Ich habe die Suchfunktion von Instagram genutzt und dort unter den Hashtags einen gesucht, der relevant ist für meine Genre, bzw. für meine Zielgruppe. Ich betreibe Streetfotografie und somit waren die Hashtags „streetphotography“, „streetphoto“ und „streetfotografie“ wohl die geeignetsten, die ich finde konnte. Nach dem Anklicken eines dieser Hashtags bekommt man einen riesigen Haufen Bilder zu sehen, die neun wichtigsten und erfolgreichsten, also die mit den meisten Likes, werden oben, in einem Extrablock angezeigt. Hier habe ich eins ausgewählt, das mindestens 1000 Likes hatte, und mir die Follower anzeigen lassen, die dieses Bild mit ihrem Like versehen hatten. Der Rest ist einfach, denn man kann nun ohne viel Aufwand (man kann dabei Kaffee trinken, diskutieren oder Fernsehen … etc.) all denjenigen, die da aufgelistet stehen folgen. Bei einem Bild mit 1000 Likes sind das 1000 Accounts, die in Frage kommen, Dir zurückzufolgen, denn darum geht es in diesem „Spiel“. Die einzige Begrenzung, die Instagram benutzt, ist die Tatsache, dass die Follow-Buttons bei zu exzessivem Gebrauch durchsichtig und unklickbar werden. Eine Stunde später funktioniert das aber schon wieder. Letztlich habe ich einmal pro Stunde mindestens 45 bis 50 Follow-Buttons geklickt, insgesamt etwa 1300! Das kann man so weiterführen, bis man (wenn ich das gut gelesen habe) 7500 Accounts mehr folgt, als man Follower hat, dann schreitet Instagram ein.

Das Ergebnis folgte umgehend, in weniger als 24 Stunden habe ich ca 300 neue Follower generiert. 300 neue Follower, die sich größtenteils meine Bilder genauso wenig angeschaut haben, wie ich mir die ihren. In meinen Neuigkeiten sah ich allerdings mehr Bilder, die mich nicht interessierten, als solche, denen ich etwas abgewinnen konnte. Nicht, dass alles schlechte Fotos waren, vielmehr hatte ich blind Landschaftsfotografen, Architekturliebhaber und Fotografen der Tier- und Pflanzenwelt abonniert. Da waren tolle Aufnahmen dabei, aber sie entsprechen halt nicht meinem Thema.

300 neue Follower ohne viel Aufwand und in kurzer Zeit generieren zu können, sagt natürlich etwas aus über den Wert dieser Zahlen. Ähnlich wie bei den Likes geht es offensichtlich nur um diese Zahl. Inhalte werden unwichtig, ich folge Dir, Du folgst mir, anders funktioniert das nicht. Was aber habe ich von einem Follower, der mir nicht wegen meiner Bilder folgt, sondern nur damit ich zurückfolge, und wir die Anzahl unserer Follower erhöhen können? Nichts, es geht, wie so oft, nur um Zahlen, seelenlose Ziffern, die scheinbaren Erfolg beweisen. Ich habe mir heute die Mühe gemacht, all meine Folgeaktionen von gestern wieder rückgängig zu machen, sogar die, die mir zurückfolgen. Das führt zu einem Rückgang bei meinen Followern, was allerdings wesentlich langsamer geschieht als das Folgen selbst, und zu einem interessanten Austausch mit einem Fotobegeisterten führte, der zunächst etwas säuerlich auf meine Aktion reagierte, was natürlich verständlich ist. Das Follow/Unfollow-Spiel ist eine Seuche, und den Ärger darüber erfahre ich selbst genauso. An dieser Stelle meine Entschuldigung an alle, die mir gestern auf den Leim gegangen sind, ich werde hier sicherlich nicht jeden erreichen, aber letztlich habe ich niemanden geschädigt. Trotzdem empfinde ich so etwas wie Scham. Vielleicht ermögliche ich es jedoch dem ein oder anderen Leser, eben nicht auf dieses Spiel hereinzufallen.

Ich ziehe für mich folgende Schlüsse aus diesem Experiment: ich werde den sozialen Medien noch weniger trauen, als ich es eh schon tat. Ich werde mehr Wert auf echte Follower und echte Likes legen und mich auf meine Arbeit (mein Hobby) konzentrieren, statt auf die Anzahl meiner Follower. Vielleicht werde ich dann weniger wahrscheinlich berühmt, aber letztlich ist ein hoher Bekanntheitsgrad, der auf künstlich generierten Zahlen beruht, nicht wirklich erstrebenswert. Ich gebe zu, dass ich eine Ahnung hatte, dass dieses System funktionieren könnte, aber das Ausmaß meiner Erfolges schockiert und enttäuscht mich. Ich bin halt noch immer naiv genug, solche Geschichten anzuzweifeln. Ich glaube an das Gute und die Ehrlichkeit im Menschen, und das tue ich weiterhin, auch wenn mein Glaube durch mein Experiment wieder einmal erschüttert wurde.

Als Tipp zum Schluss, ich benutze eine App mit dem Namen “Followers Insight”. Diese App ermöglicht einen recht guten Überblick über Accounts, die folgen, nicht mehr folgen, oder Dich sogar blockieren (auch das haben zwei Menschen im Zuge meines Exeperiments getan).

Geht ‘raus oder ins Studio und fotografiert. Schert Euch nicht so sehr um Follower und Likes … auch wenn’s manchmal schwerfällt.

Der Straßengeier

Follower generieren

12 thoughts on “Follower generieren

  • Februar 17, 2018 um 12:54 pm
    Permalink

    Das Leid mit den Followern 🙂 wer kennt es nicht…

    Antworten
    • Februar 17, 2018 um 1:15 pm
      Permalink

      Recht hast Du … aber ich hatte nicht erwartet, dass es so einfach ist …

      Antworten
  • Februar 17, 2018 um 1:34 pm
    Permalink

    Hey. Mir fallen noch einige zusätzliche, ergänzende analoge Alternativen ein, um meinem Affen Zucker zu geben (oder meiner Leidenschaft, also der Fotografie und nicht der Zahl der Likes oder Followern, zu frönen). Fotobücher studieren, Ausstellungen besuchen, eigene Fotobücher herzustellen, eigene Ausstellungen durchzuführen. Photowalks mit guten Bekannten/Freunden. Eine eigene Homepage pflegen. Und nur zu einigen wenigen Menschen aus der virtuellen Welt Kontakt halten.
    Schönes Wochenende 🙂

    Antworten
    • Februar 17, 2018 um 3:23 pm
      Permalink

      Klingt gut. Dir auch ein schönes Wochende. Wir waren gerade ausgiebig mit dem Hund ‘raus … real

      Antworten
  • Februar 17, 2018 um 3:07 pm
    Permalink

    Na, ich bin jetzt fast 50, und manchmal schockiert es mich, wie alt ich mich fühle. Dieses “die Welt verändert sich auf eine befremdliche Art und Weise-Gefühl” kenne ich natürlich von meinen Großeltern, bei denen fing das allerdings mit 70 oder so an. Mir ist schon klar, dass man auf seine Gesundheit achten soll ;), aber all diesen Bullshit mit einem Lächeln abzutun kommt mir auch nicht richtig vor. Zu erleben wir unreflektiert meine Kinder mit “social Media”, Youtubern und all diesem Krams umgehen beunruhigt mich doch ziemlich.

    Die Sehnsucht nach der Strg/Z Kombi kann ich durchaus nachvollziehen, die sorglose Bereitschaft sich dafür in der Virtualität fremdsteuern zu lassen aber irgendwie nicht.

    Sicher bin ich geistig einfach zu unbeweglich (hoffe ich), aber machmal empfinde ich das www als reinen Seelenfresser.

    Antworten
    • Februar 17, 2018 um 3:17 pm
      Permalink

      Ach übrigens, man braucht nicht unbedingt ne App für die App, follow/unfollow-gamer erkennt man ganz simpel auch ohne. Leuten, die nicht liken sondern gleich auf follow drücken und ein Verhältnis Folger zu selbst folgen von 10zu1, oder so, haben, kann man diese Tour getrost unterstellen und liegt damit zu 99% richtig (mal abgesehen von den sehr, sehr wenigen, die Reihenweise richtig, richtig gute Bilder machen).

      Antworten
    • Februar 17, 2018 um 3:32 pm
      Permalink

      Hallo limo,

      das Alter passt schon ‘mal (ich habe noch 3 Monate ).
      Seelenfresser finde ich noch so eben nicht passend. Ansonsten gebe ich Dir völlig Recht. Die Generation nach uns ist sehr auf Konsumieren geeicht, oft wird nicht einmal mehr geprüft, ob das Konsumierte auch der Wahrheit entspricht. Sicher hat das auch, aber eben nicht nur, mit unserem Alter zu tun, dass wir da Sorgen haben, bzw nicht mehr verstehen warum … der Mix aus Sorglosigkeit, Unreflektiertheit und Egoismus in unserer Gesellschaft macht schon ein bisschen Angst.

      Herzliche Grüße

      Der Geier

      Antworten
  • Februar 17, 2018 um 5:49 pm
    Permalink

    “300 neue Follower, die sich größtenteils meine Bilder genauso wenig angeschaut haben, wie ich mir die ihren.”

    Hahaha, genau so ist es. Ich kenne eine Person, die in den “sozialen Medien” jeweils mehrere Accounts hat und sich immer selbst lobt und mit sich selber interagiert: A: “Oh, das Foto finde ich toll. Wo hast du das gemacht?” B: “In xy.” A: “Oh, da möchte ich auch mal hin.” B: “Ich fahre da immer mit XYZ Reisen hin. Das ist ganz ganz toll mit denen.” C: “Ja, da stimme ich zu. Die sind ganz ganz super.”

    O.M.G., so krank, reif für die Klapse :-)))

    Antworten
    • Februar 17, 2018 um 6:47 pm
      Permalink

      Tja Jürgen,

      so sieht’s leider aus. Offensichtlich hat die Quantität den Kampf gegen die Qualität gewonnen … zumindest in den sozialen Medien. Schön, dass es noch Menschen gibt, die sich ein Bild, von mir aus auch einen ganzen Stream (genau, sowas mache ich) anschauen und die Qualität genießen, oder Bildbände erstellen/kaufen, oder gar Bilder an die Wand hängen …

      Herzliche Grüße

      Der Geier

      Antworten
    • Februar 17, 2018 um 11:00 pm
      Permalink

      Tja, da hilft nur Abgrenzung, Emphatie ist ein müßiges Talent. Wer hat schon Zeit sich um fremdes Elend zu kümmern.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.